Pressemitteilung vom 10.10.2017

Festakt zum Tag der Deutschen Einheit: Ein Vortrag und zahlreiche Verdienste für Völkerverständigung

Bürgermeister Marc Venten und Festrednerin Irina Gruschewaja.

Tschernobyl habe ihr die Augen geöffnet, sagte Irina Gruschewaja in ihrem Vortrag zum Tag der Deutschen Einheit in Korschenbroich. „Die stille Revolution der Kinder von Tschernobyl – das war die Zeit, in der alles möglich wurde“, berichtete die Festrednerin, die selbst aus Weißrussland stammt, von ihren Erfahrungen auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs nach der Atomreaktor-Katastrophe.

Denn damals habe es Hilfe aus dem so genannten „bösen, kapitalistischen Ausland“ gegeben. „Bisher haben wir 600.000 Kinder zur Erholung nach Europa schicken können“, weiß Gruschewaja. Sie ist Gründungsmitglied der Initiative „Den Kindern von Tschernobyl“, die Kindern aus den verstrahlten Gebieten diese Erholungsreisen ins Ausland ermöglichte.

„Die Welt kam zu uns und wir gingen in die Welt. Das ist ein wunderbarer Prozess der Annäherung“, wertete die Referentin. Ihr Engagement heute wird geleitet von dem Gedanken, dass die Zukunft der Welt in der humanitären Zusammenarbeit liegt. Wichtig sei der Dialog, denn man brauche Menschen aus anderen Teilen der Welt, um neue Sichtweisen vermittelt zu bekommen, betonte Gruschewaja.

Unter dem Titel „Hoffnung Europa. Das Glück der Einheit“ stand der Vortrag im Rahmen der Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit, dem rund 150 Interessierte im Ratssaal lauschten. Die Festrednerin schlug den Bogen von der Zeit des Zweiten Weltkrieges über Gorbatschows Vision von einem „gemeinsamen Haus Europa“ bis hin zu der Feststellung, dass eine Demokratie nicht nur erkämpft, sondern auch erlernt werden müsse („vom Untertan zum Citoyen“). Erst im Nachhinein habe sie das sowjetische System als eines der Unterdrückung erkannt, erzählte Gruschewaja.

Rund 150 Interessierte verfolgten den Festvortrag im Ratssaal.

Verdienstmedaille in Gold für Dorothea Hoelper

Für Völkerverständigung und das friedliche Zusammenleben verschiedener Nationen setzt sich auch Dorothea Hoelper seit vielen Jahren ein. Die ehemalige Lehrerin und frühere stellvertretende Schulleiterin am Gymnasium Korschenbroich ist seit mehr als 40 Jahren vor Ort aktiv und organisiert den internationalen Austausch von Jugendlichen und Erwachsenen.

In ihrer Zeit am Gymnasium hat sie Schüleraustausch-Programme organisiert und aktiv gestaltet – so den Austausch mit Anchorage, Alaska, den sie ins Leben gerufen hat. Nach ihrer Pensionierung setzte sie ihr Engagement als Vorsitzende des Vereins „Forum für internationalen Austausch“ e.V. fort. In diesem Rahmen organisierte sie insbesondere Besuche von Erwachsenen-Gruppen zwischen Russland (Troizk) und Korschenbroich.

In seiner Laudatio verdeutlichte Bürgermeister Marc Venten, der Tag der Deutschen Einheit sei in vielfältiger Hinsicht ein besonderer Tag. So stehe er für ein Ende des Kalten Krieges und für aktive Völkerverständigung. Dorothea Hoelper habe eine frühkindliche Erfahrung zum Anlass für ihr Engagement genommen: Als kleines Mädchen in Berlin hörte sie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges oft den ängstlichen Satz „Die Russen kommen!“. Dies sei für sie ein Grund gewesen, sich aktiv für den Austausch zwischen den Nationen einzusetzen.

Dorothea Hoelper mit Bandschnalle der Verdienstmedaille.Durch ihren langjährigen Einsatz sei Dorothea Hoelper für viele Menschen in Korschenbroich ein Vorbild, das sich um das Gemeinwohl verdient gemacht habe. „Für ihre besonderen Verdienste um die Stadt Korschenbroich erhält Frau Dorothea Hoelper die Verdienstmedaille der Stadt Korschenbroich in Gold. Damit würdigen wir ihren Einsatz für Toleranz, Weltoffenheit und Völkerverständigung im Schulwesen, in Sport und Kultur“, betonte der Bürgermeister.

In ihrer Dankesrede erklärte Dorothea Hoelper, sie freue sich sehr über diese Auszeichnung. Diese habe sie aber nur erlangen können durch die vielen Helfer und Unterstützer aus den Korschenbroicher Familien. Eine Unterstützerin, die seit 1991 den Austausch auf russischer Seite organisiert, Tatjana Senatorova, war an diesem Tag ebenfalls vor Ort. Sie lobte die Entscheidung der Stadt, Dorothea Hoelper auszuzeichnen, und brachte den Anspruch des internationalen Austausches auf einen einfachen Nenner: „Gastfreundschaft – Verständnis – Frieden“.



http://www.korschenbroich.de
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